Bhakti Practice

Ihr Lieben, ich sitze bei strahlendem Sonnenschein mit Schal (!) und Tee im Garten und freue mich darüber, dass dieser Virusinfekt mir nun die Gelegenheit gibt, ein bischen zu schreiben. (sonst tu ich das oft spät abends nach den Yogaklassen, neben meiner schlafenden Tochter…)

Also: Bhakti Yoga

Bhakti ist einer der großen Pfade, die wir auf unserer Yogareise gehen können (die anderen sind Raja, Karma, Jnana Yoga, Hatha und Kundalini Yoga )

Bhakti ist die Hingabe, mit der wir das Göttliche verehren, in uns, in anderen, in allem Sein.

Es ist die Hingabe, mit der wir unser Sadhana machen, die tägliche Übungspraxis, die uns auf dem Yogaweg und in unserer Entwicklung trägt.

Es ist die Hingabe an die Liebe und das Leben selbst, alles, was uns begegnet, willkommen zu heißen und als Chance zu sehen, zu wachsen, auch wenn das unter Umständen viel Schmerz bedeutet, um heil, ganz, um eins zu werden, denn das ist ja das ultimative Ziel im Yoga, dieser Einheit gewahr zu werden, sie zu erkennen, zu erleben und damit zu verwirklichen.

Bhakti Yoga als Übungsweg beinhaltet jedoch auch Übungen, die man in anderen Yogawegen nicht direkt antrifft.

(Dennoch ist es meine persönliche Meinung, dass man all diese Wege nicht sauber voneinander trennen kann, da der eine immer auch Aspekte des anderen enthält, und man das auch nicht sollte. Viele alte und neue Yogameister betonen, das es wichtig ist, sich im Sinne der Ganzheit mit all diesen Yogawegen zu beschäftigen, auch wenn man naturgemäß mehr zu dem einen oder anderen hin tendiert.)

Mantra Japa ist eine solche Übung, das Wiederholen und Meditieren eines Mantras.

Panditji Shankar Upadhyae hat mir gestern noch gesagt, das Japa sogar das persönliche Karma verändert.

Das Singen von Kirtans und Bhajans ist tief berührend und herzöffnend und macht die Verbindung mit dem Göttlichen als Schwingung im Körper, im Herzen erfahrbar.

Das Lesen und die innere Beschäftigung mit spirituellen Schriften ist eine Möglichkeit, Erkenntnisse zu gewinnen und von den Erfahrungen anderer zu lernen, ebenso wie das Hören, das im Satsang passiert. Hier hören wir die Worte von Menschen, die uns auf diesem Weg ein paar Schritte voraus sind, die uns den Weg weisen können und uns an ihren Erfahrungen teilhaben lassen, und wir hören die innere Resonanz, die innere Stimme, die auf das Gehörte reagiert.

Satsang ist übrigens nicht eine einseitige Belehrung, es bedeutet „Zusammensein in Weisheit, Wahrheit, Einheit“, Satsang ist Gemeinsamkeit, Austausch, Teilen.

Puja ist Teil des Bhakti Yoga und zugleich Teil der Zeremonien in Tempeln. Puja ist ein Weg der Verehrung des Göttlichen, bei dem man die Kraft von Bildern und Symbolen nutzt, um das Göttliche zu uns einzuladen, das heißt, uns mit göttlicher Energie zu verbinden.

Bei der Puja begrüßt man das Göttliche wie einen Gast: Eine Murti (Statue) wird unter Rezitation von Mantras gebadet, geölt, angekleidet, geschmückt und bewirtet, so, wie man einen Gast des Hauses behandeln würde. Man kann diese Zeremonie einfach, aber auch sehr aufwändig gestalten. Es ist eine Art praktische Meditation. Für mich ist es ehrlich gesagt schwer, zu beschreiben, was da passiert. Das Beschreiben der äußeren Handlungen (wie oben) wird dem in keiner Weise gerecht, zu erklären, welche Energien spürbar werden, wie der Geist transzendiert wird und was für ein unglaublicher Fokus dabei entsteht.

Bhakti Yoga gilt als der einfachste Weg zur Einheit: Man ruft Gott, und Gott kommt :-)

Bhakti Yoga beinhaltet aber auch ein ganz großes Loslassen, ohne Loslassen gibt es keine Hingabe. Das ist die Art und Weise, wie im Bhakti Yoga „das Ego überwunden wird“.

So ist Bhakti Yoga eine tiefe tiefe Praxis, die uns bis auf den Grund unserer Seele führt.

Hört sich heftig an, intensiv? Ist es auch, und zugleich wunderschön!

 

Om om, liebste Grüße, Shivapriya